Eine Gruppe um Nobelpreisträger Philippe Aghion und die frühere EU-Kommissarin Margrethe Vestager hat am 14. September eine Strategie vorgelegt. Sie warnt, europäische Modellentwickler erwirtschafteten zusammen weniger als 2 Prozent des Umsatzes von nur zwei US-Konkurrenten, und fordert entschlossenes Handeln noch in diesem Jahr.
Eine Koalition führender europäischer Ökonomen, Politiker und KI-Experten hat am 14. September 2026 eine Strategie für den Umgang mit transformativer KI veröffentlicht. Zu den Autoren gehören Nobelpreisträger Philippe Aghion, die frühere EU-Kommissarin Margrethe Vestager, die Vorsitzende des Sachverständigenrats Monika Schnitzer sowie ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Gruppe warnt, Europa laufe Gefahr, dauerhaft von einer Handvoll ausländischer Regierungen und Unternehmen abhängig zu werden, sollte in diesem Jahr nicht entschlossen gehandelt werden. Die Strategie nennt konkrete Zahlen: Bis 2030 benötige Europa 45 Gigawatt zusätzliche Energie für Rechenzentren, dafür seien Investitionen von rund 1,3 Billionen Euro nötig.
Die Warnung richtet sich direkt an die Kommission und die Mitgliedstaaten und liefert damit Argumente für künftige Förderprogramme und Investitionsentscheidungen. Besonders die Zahl von weniger als 2 Prozent Umsatzanteil europäischer Modellentwickler gegenüber nur zwei US-Konkurrenten macht den Rückstand konkret greifbar. Für Unternehmen bedeutet das, dass staatliche Förderprogramme und Kooperationsmodelle zur Rechenzentrumsfinanzierung in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen dürften. Wer heute in europäische KI-Infrastruktur investiert oder Partnerschaften mit europäischen Anbietern eingeht, positioniert sich früh in einem Feld, das politisch stark gefördert werden soll.
Kritiker könnten einwenden, dass ähnliche Strategiepapiere in der Vergangenheit selten zu schnellem politischem Handeln geführt haben und die genannten Investitionssummen kaum aus privaten Mitteln allein zu stemmen sind. Die Autoren selbst räumen ein, dass europäische Unternehmen die nötigen 1,3 Billionen Euro nicht allein aufbringen können und ausländisches Kapital gebraucht wird. Ob die Kommission die vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich zeitnah umsetzt oder das Papier ohne konkrete Folgen bleibt, ist offen.
Was das für Entscheider bedeutet
- Verfolgen Sie, welche EU-Förderprogramme aus dieser Strategie konkret abgeleitet werden.
- Prüfen Sie Kooperationsmöglichkeiten mit europäischen Rechenzentrumsbetreibern frühzeitig.
- Bewerten Sie Ihre Abhängigkeit von wenigen außereuropäischen KI-Anbietern in der eigenen Lieferkette.
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