Alle seit dem 2. August veröffentlichten Claude-Modelle betten ein statistisches Wasserzeichen in die Wortwahl ein, um den EU AI Act zu erfüllen. Anthropic wendet das Verfahren mangels regionaler Abgrenzung weltweit an.
Das Verfahren beruht auf Googles SynthID-Text-Ansatz: Bei der Erzeugung wird die Zufallsquelle für die Wortwahl so verändert, dass ein statistisch nachweisbares Muster entsteht. Sichtbare oder versteckte Sonderzeichen gibt es nicht. Ältere Claude-Modelle sollen in den kommenden Monaten nachgerüstet werden.
Anthropic erklärt, Inhalt, Kreativität und Lesbarkeit blieben unberührt. Der Publizist John Gruber widerspricht: Wenn ein Modell zwischen zwei Synonymen nicht nach Bedeutung, sondern nach einem Wasserzeichen-Schlüssel entscheide, sinke die Textqualität zwangsläufig. Anthropic räumt ein, dass die Markierung bei faktenlastigen Passagen dünner ausfällt, weil dort weniger Wortalternativen bestehen. Paraphrasier-Werkzeuge können die Markierung entfernen.
Praktisch bedeutsam ist, dass die Markierung mit dem Text wandert. Ein Vertrag kann einzelne markierte Klauseln enthalten, während der Rest menschlich verfasst ist; Folgeverträge auf Basis alter Vorlagen tragen die Markierung weiter. Das Fachmedium Artificial Lawyer hält das für Kanzleien meist unproblematisch – heikel werde es dort, wo Auftraggeber KI-Einsatz vertraglich untersagt haben oder Honorare am Aufwand hängen.
Was das für Entscheider bedeutet
- Klären Sie, in welchen Verträgen und Ausschreibungen Ihres Hauses KI-Einsatz ausgeschlossen ist – dieser Ausschluss ist jetzt technisch überprüfbar.
- Legen Sie fest, welche Dokumentklassen mit Sprachmodellen erzeugt werden dürfen und welche nicht, und halten Sie die Entscheidung schriftlich fest.
- Rechnen Sie bei Werbe- und Agenturleistungen damit, dass Auftraggeber den KI-Anteil künftig nachweisen und in Honorargesprächen anführen können.
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