Eine Analyse des MIT anhand von Pflichtberichten an die US-Börsenaufsicht ergibt, dass Ende 2025 nur 11 Prozent der S&P-500-Unternehmen KI tief in ihr Geschäft integriert hatten, während 45 Prozent Pilotprojekte betrieben. Zwei Drittel der tiefen Integration entfallen allein auf Technologiefirmen.
Ein Team um Yang Yu und Neil Thompson vom MIT hat aus den jährlichen 10-K-Pflichtberichten von 510 Unternehmen über zehn Jahre hinweg ein Muster der KI-Einführung rekonstruiert. Ein Sprachmodell bewertete pro Unternehmen und Jahr auf einer fünfstufigen Skala, wie weit die KI-Nutzung reicht - von keiner Nutzung bis zu tiefer Integration in Geschäftsmodell und Strategie. Ergebnis: Ende 2025 erreichten nur 11 Prozent der S&P-500-Firmen die höchste Stufe, 45 Prozent befanden sich in der Pilotphase, und zwei Drittel der tief integrierten Fälle stammen aus dem Technologiesektor.
Die Finanzkennzahlen hinter diesen Werten zeigen ein J-Kurven-Muster. Unternehmen in einer frühen Adoptionsphase weisen zunächst niedrigere Margen auf - bei Nicht-Technologiefirmen liegen sie zwei bis drei Prozentpunkte unter denen von Nicht-Anwendern, bedingt durch Infrastrukturkosten, Umschulung und Prozessumstellungen. Wer die tiefe Integration erreicht, sieht später eine Margenverbesserung von 3 Prozent bei Technologiefirmen und 5 Prozent bei Nicht-Technologiefirmen. Produktivitätsgewinne pro Mitarbeiter lassen sich dagegen bislang nicht nachweisen, selbst bei tief integrierten Unternehmen. Das Kapital für den viel zitierten Infrastruktur-Wettlauf konzentriert sich zudem auf eine Handvoll Konzerne - Amazon, Google, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla -, während die meisten Firmen KI eher als Dienstleistung einkaufen statt eigene Infrastruktur aufzubauen, was sich in ihren Bilanzen als Betriebskosten statt als Investition niederschlägt.
Die Zahlen beruhen auf offiziellen, rechtlich bindenden Angaben und sind damit belastbarer als Pressemitteilungen, spiegeln aber auch nur, was Unternehmen offenlegen. Offen bleibt laut den Autoren vor allem, welcher Anteil der laufenden Pilotprojekte tatsächlich in produktive Systeme mündet und ob sich der bislang fehlende Produktivitätseffekt mit mehr Zeit noch einstellt. Für Investoren ist bereits ein Unterschied sichtbar: Sie honorieren KI-Investitionen von Technologiefirmen bislang deutlich stärker als vergleichbare Schritte in anderen Branchen.
Was das für Entscheider bedeutet
- Vergleichen Sie den eigenen Integrationsgrad mit dem Marktdurchschnitt von elf Prozent tiefer KI-Integration.
- Kalkulieren Sie mit vorübergehend sinkenden Margen von zwei bis drei Prozentpunkten in der Einführungsphase.
- Klären Sie vorab, ob Ihre KI-Ausgaben als Betriebskosten oder als Investition verbucht werden.
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