Laut einer neuen Wharton-Studie müssen Hyperscaler ihre KI-Produktivität um den Faktor 2,7 steigern, um Investitionen von rund einer Billion Dollar bis 2027 zu rechtfertigen. Andernfalls drohe die größte Kapitalfehlallokation der Geschichte.
Die Wharton-Ökonomin Jessica Wachter und ihr Ko-Autor Jonathan Wachter von Point72 haben Investitionsdaten der fünf großen Hyperscaler Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta und Oracle mit einem Modell für seltene Produktivitätsschübe verglichen. Die Investitionen dieser Firmen wuchsen von 155 Milliarden Dollar im Jahr 2022 auf geschätzt 755 Milliarden Dollar 2026 und sollen 2027 die Marke von einer Billion Dollar überschreiten. Das Modell errechnet, dass jeder angenommene Produktivitätsschub die Leistung im KI-Sektor um den Faktor 2,7 gegenüber heute erhöhen müsste, damit die aktuellen Börse-Bewertungen gerechtfertigt sind.
Zum Vergleich zieht die Studie historische Boom-Phasen heran: Der US-IT-Boom von 1995 bis 2005 brachte nur das 1,5-fache Pro-Kopf-Wachstum, die Eisenbahn-Aera in den USA das 2,8-fache über 60 Jahre, die ostasiatischen Wachstumswunder das 8- bis 13-fache über 25 bis 30 Jahre. Wachter hält den Faktor 2,7 dennoch für plausibel, weil er sich direkt aus den Gewinnen der Hyperscaler und den aktuellen Aktienbewertungen ableiten lässt, nicht aus abstrakten Annahmen.
Offen bleibt, ob der angenommene Produktivitätsschub tatsächlich eingetreten ist oder nur die Erwartung der Manager widerspiegelt. Die Autoren selbst räumen ein, dass ihr Ansatz auf den Investitionsentscheidungen der Firmen beruht und damit belegt, woran Manager glauben, nicht was tatsächlich geschehen ist. Für Entscheider bleibt die Frage, wie lange sich diese Wette noch durch Kapitalmarktvertrauen finanzieren lässt, bevor belastbare Produktivitätszahlen vorliegen.
Was das für Entscheider bedeutet
- Prüfen Sie Ihre eigenen KI-Investitionsannahmen gegen den in der Studie genannten Faktor von 2,7.
- Vergleichen Sie geplante Kapazitätsausbauten mit historischen Boom-Phasen, bevor Sie Kapital freigeben.
- Beobachten Sie die nächsten Quartalszahlen der Hyperscaler als Frühindikator für reale Produktivitätsgewinne.
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